Samstag, 13. November 2010

Bergauf - Bergab

Es hat lange gedauert, bis ich mich entschlossen hatte, am Zeiler Marathon teilzunehmen. Mein Training seit der Erlanger Mitteldistanz war mager. Vielleicht 500 km habe ich auf die Uhr gebracht. Das ist nicht viel. Und jetzt dann einen Marathon mit 800 Höhenmetern? Die Entscheidung ist nach einem schönen LaLaLa gefallen. Ich wollte einen schönen Marathon ohne Zeitziel laufen, gleichmäßig und ohne Tiefs. Und ordentlich ankommen. Und unter dieser Prämisse bin ich nach Zeil gefahren.
Alle Anfahrtssorgen waren überflüssig, denn in Zeil war alles gut ausgeschildert. Parken, Startnummer holen und fertig machen. Die 1,5 km von der Startnummernausgabe zum Start laufe ich. Als Aufwärmphase sozusagen. Auf dem Weg ein Blick auf das, was da kommen mag:


Im Startbereich angekommen ist alles fest in der Hand des Roten Kreuzes. Mehrere Zelte sind aufgebaut. Stromerzeuger brummen vor sich hin und in der Mitte steht die Kommandozentrale. Man könnte fast meinen hier findet die jährliche Katastrophenschutzübung statt. Naja, vielleicht war der Marathon ja als solche "getarnt".






Vor dem Start werden einige VIP's namentlich begrüßt: Alterspräsidenten und Marathonsammler. Dann sammeln sich alle (so viele waren das nicht - ich habe mich zu Beginn des hinteren Drittels eingereiht) vor der Startlinie und warten auf den Knall. Der kommt unvermittelt und ohne Countdown. Also haben wir die Schrecksekunde schon mal nicht auf der Uhr.





Gleich zu Beginn geht es eine lange Steigung hinauf. Und ich merke, daß ich zu warm angezogen bin. Lang - Lang plus West und Schirmmütze. Nach kurzer Zeit nehme ich die Mütze ab. Auf dem Hochplateau angekommen mache ich die Weste auf und lasse mich vom Wind kühlen. Überhaupt - es ist faszinierend. Wir laufen unten durch den Wald und bekommen praktisch nichts von den teilweise stürmischen Winden von "Carmen" mit. Ein Grund Weste und Mütze nach wenigen Kilometern im Rucksack verschwinden zu lassen. Wegen des Rucksacks (ist ein kleiner mit 15 Litern) bin ich später mehrfach angesprochen worden. Ich hab' doch nur eine Regenjacke reingesteckt. Ich war mir wegen des Wetter wirklich nicht sicher. Wenn Petrus mit der stürmischen Carmen ....
So geht es dahin - bergauf - bergab. Meine Strategie ist einfach: In der Ebene (es gab eigentlich keine) und bergab wollte ich mit HF 160 laufen. Bergauf sollte der Puls nicht die 170 übersteigen. Und so kam ich zur zweiten Prüfung. Einfach zu erkennen am motivierenden Schild:

"Ich bin der Berg! Los, pack mich!!"

Und dann ging es berauf. Auf Bildern kommt eine Steigung nicht immer gut heraus. So auch hier:



Ich spule Kilometer um Kilometer herunter. An den Verpflegungsstationen gehe ich kurz, um in Ruhe zwei Becher Wasser zu trinken. Dann aber gleich weiter laufen. Laufen auch an den Steigungen. Einige gehen hier schon. Regelmäßig ein Gel und laufen.
Der herbstlich bunt gefärbte Wald ist herrlich. Obwohl überall gleich, doch immer wieder anders. Nach 2:19 Stunden komme ich an Start/Ziel vorbei und gehe auf die zweite Runde. Wie wird es mir bei KM 28 gehen? Da habe ich sonst (allerdings bei höheren Geschwindigkeiten) Probleme bekommen. KM 30 geht vorbei und es ist nichts. Ich laufe und laufe. Also passt die Strategie für diesen Lauf.
Irgendwie läuft die zweite Runde gefühlt schneller. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Weg jetzt schon einmal gesehen habe. Zwei Läufer überholen mich noch. Sonst überhole ich einige der wenigen, die ich vor mir überhaupt sehe. Und wie lange das Überholen dann dauert. Am Berg geht gar nichts. Am leichtesten ist es im Bereich der Verpflegungsstationen, die alle 5 Kilometer aufgebaut sind. Es ist anders, das laufen in solchem Terrain. Bei KM 35 merke ich dann doch langsam etwas. Es sind aber nicht die Muskeln, sondern die Knie. OK, ihr müsst aber noch ein Weilchen durchhalten. Noch ein paar Mal rauf und runter und dann geht es in den Zielschuss. Hier werden Höhenmeter abgebaut und ich versuche den Hangabtrieb zu nutzen, aber die Knie mögen nicht. Also weiter mit einer 6er Pace den Berg hinunter. Dann der Zielkanal und es ist geschafft.
Mein Garmin zeigt 4:32 Stunden an. Nicht schnell, aber ... erhobenen Hauptes. Vor dem Hintergrund meiner Vorbereitung und der Höhenmeter bin ich zufrieden. Und überhaupt war das ein richtig schöner und langer Waldlauf.
Ich greife mir Tee, während ein anderer Läufer nach dem Bier fragt, das kurz vor dem Ziel auf Schildern angepriesen wurde. "Alles weg, hättet ein bischen schneller laufen müssen." kommt als Antwort aus dem Verpflegungszelt.
Ich ziehe mir eine Jacke und Hose drüber und beobachte noch ein bischen wie weitere Marathonis im Ziel eintreffen. Dann geht es nach Hause.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Guter Morgen

Sonntag morgen 6:00 Uhr nach MEZ. Draussen hat es 5° C. Leise schleiche ich mich aus dem Haus um wieder einen Longjog zu unternehmen. Die Zeitumstellung kommt mir hinsichtlich meines Schlafbedürfnisses entgegen, deswegen fühle ich mich eigentlich recht gut. Noch ist es so dunkel, dass ich die Stirnlampe brauche. Und merke, dass ich die Batterien austauschen sollte. Nach kurzer Zeit dämmert es, so dass ich die Lampe im Rucksack verstauen kann. Gemütlich geht es im Grundlagentempo dahin. Es ist einfach ein wundervoller Herbst-Morgen.


Heute morgen sind viele Hunde unterwegs - oder es liegt einfach an der Tageszeit. Ich begegne zwei großen Berner Sennen-Hunden, meine Lieblingshunde, wenn ich jemals welche haben würde. Dem einen biete ich ein kleines Rennen an, als er mich neugierig beschnuppert. (Wie ihm wohl der "Duft" von verschwitzter Funktionswäsche gefällt?) Sein Frauchen ist allerdings nicht so sehr davon überzeugt.

Und es läuft. Ich fühle mich gut. Trotz des "mageren" Trainings. Leider ist es so, dass ich derzeit nicht so zum Laufen komme, wie ich möchte. Aber der heutige Lauf gibt mir das Gefühl, dass es klappen kann. Was? Der Zeiler Waldmarathon. Ich werde mir keine ehrgeizigen Zeitziele setzen. Vielmehr möchte ich einen gleichmäßigen Lauf ohne Einbrüche abliefern, was angesichts der 840 Möhenmeter auch eine Art Ziel ist. Und genießen möchte ich. So wie jetzt. 31 km in 3:20 h.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Long Jog

3 Stunden - 28 Kilometer - durchwachsenes Wetter. Kurz vor Ende eine schöne Szenerie am Himmel.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Regentanz

Wer den Regentanz aufgeführt hat, dass es derart regnet, ist mir nicht bekannt. Allerdings, dass ich raus musste in den Regen. Mag komisch klingen. Ich habe mich auf das Wetter gefreut. Wozu habe ich Funktionskleidung? Wozu eine nicht gerade billige Gore-Tex Jacke? Wie sonst den Arbeitstag verarbeiten? Also raus. Als Zugeständnis an das Wetter wähle ich beleuchtete Stadtwege. Und ich tanze am Fluss entlang durch den Regen. Gemütlich. Ohne Vorgaben. Einfach nur Laufen. Einen Schlenker hänge ich noch dran, bis zur nächsten Brücke. Ist nur ein Kilometer, aber es ist einfach zu schön, um schon wieder nach Hause zu laufen.
Auf dem Rückweg nähere ich mich langsam aber kontinuierlich einem laufenden Duo. Beim Näherkommen ist das Duo als männlicher und weibliche Läufer/in zu identifizieren. Als ich noch näher komme beginne ich zu staunen: ER trägt ein kurzes Baumwoll-T-Shirt und eine lange Irgendwas-Hose. SIE trägt schon Laufkleidung - aber kurz! Wow - wir haben 5°C und strömenden Regen und diese beiden traben turtelnd durch die Gegend. Die müssen verliebt sein.
Ich bin noch nicht so nah dran, dass ich zum Überholen ansetzen könnte, also darf/muss ich noch zuschauen und mitbekommen - dass der Regen zulegt und den beiden doch langsam frisch wird. Die Armbewegungen sind eindeutig. Und dann geht IHR der rechte Schuh auf. Unter lautstarken Unmutsäußerungen bückt SIE sich und die wahrscheinlich nassen Schuhbänder mit ihren kalten, nassen Fingern zuzuknoten.
Jetzt bin ich zum Überholen dran. Nicht ganz ohne eine gewisse Zufriedenheit mit meinen Klamotten ziehe ich vorbei und weiter meiner Wege. Irgendwann lässt der Regen auch wieder ein bischen nach, aber das stört mich nicht. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.